Gossip und große Kunst: Bildnis der Nana Risi von Ferdinand Keller | #90

Shownotes

In dieser Folge geht es nicht nur um Kunst, sondern auch um ordentlichen Gossip: Der Künstler Ferdinand Keller war in Eifersuchtsdramen und Erfolgsmessen mit einem anderen Künstler verwickelt. Was das von ihm porträtierte Model Nana Risi damit zu tun hatte, erzählt Kunstcomedian Jakob Schwerdtfeger in dieser Folge von Kunstsnack.

Das Werk in der Onlinesammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe: https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Ferdinand-Keller/Bildnis-der-Nana-Risi/19EBF9018A56417DBB9A95B9D3E1C31D/

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Ein Podcast der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

Text: Jakob Schwerdtfeger
Redaktion: Lara Di Carlo, Tabea Schwarze, Leonie Stieber
Idee: Daniela Sistermanns, Sarah Ball, Tabea Schwarze
Beratung: Thomas Frank
Ton und Schnitt: Lara Di Carlo
Sounddesign und Musik: Milan Fey, Auf die Ohren GmbH
Sprecher Intro und Outro: Martin Petermann, Auf die Ohren GmbH
Sprecherin der Rubriken: Lena Günther, Auf die Ohren GmbH
Foto: Bruno Kelzer | kelzer.de
Gestaltung: Pia Schmeckthal, Auf die Ohren GmbH

Transkript anzeigen

00:00:00: Heute geht's um Ferdinand Keller.

00:00:03: Der hat siebenundfünfzig Tore in der ersten Bundesliga erzielt, aber das hier ist ja kein Fußball-Podcast – es geht also nicht um den Fußballer Ferdinald Keller sondern um den gleichnamigen Maler Fedinand Keller.

00:00:15: Also Bilder statt Blutgrätschen und Ausstellungen statt Abseits!

00:00:20: Aber auch der pinselnde Ferdina Keller hat mit seiner Kunst stattliche Erfolge gefeiert.

00:00:26: Der ammaßen beeindruckt von einem seiner Werke, dass er Keller den persönlichen Adelstitel verliert.

00:00:35: Wir schauen uns heute ein Porträt von ihm an – das Bildnis der Nana Risi aus dem Jahr eighteenhundertneunundsechzig.

00:00:43: Das Gemälde befindet sich in der staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und es zieht einen direkt in den Bann!

00:00:50: Also nicht lang schnacken, Podcast anpacken.

00:00:54: Los geht's.

00:01:00: Kurze Facts leicht bekömmlich.

00:01:03: Von der staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, mit dem Komedien- und Kunsthistoriker Jakob Schwerdveger!

00:01:11: Bevor wir starten kurzer Hinweis schaut euch das Bild dieser Folge gerne selbst an.

00:01:16: in den Show Notes ist ein Link zur Abbildung.

00:01:21: Was gibt's hier zu sehen?

00:01:23: Bildliche Beschreibung

00:01:27: Das Bildnis der Nana Risi zeigt eine Frau von hinten.

00:01:31: Wir sehen sie von den Schultern aufwärts Und den Kopf hat sich so eingedreht dass man ihr Profil noch erkennen kann.

00:01:38: Sie hat fein geschwungene Gesichtszüge und trägt goldene Ohrgehänge.

00:01:43: Ihre langen schwarzen Haare hat sie so kunstvoll geflochten, das sie wie eine große Lakritzschnecke aussehen.

00:01:51: Im Haar hat sie eine goldene Spange und um den Hals trägt sie drei dünne Goldketten.

00:01:56: Das Gold sticht auf dem Bild besonders hervor weil die Fahrtigkeit insgesamt sehr reduziert ist.

00:02:03: Die Frau steht vor einem grünlich millierten Hintergrund, der mich so ein bisschen an diese Foto-Hintergründe erinnert, vor denen man früher als Kind posieren musste wenn der Schulfotograf kam.

00:02:13: Vielleicht erinnerte ihr euch noch?

00:02:15: Die dargestellte Frau auf dem Gemilde hat einen beige Stuch mit weißem Blumenmuster sehr locker über die Schulter geworfen sodass ihr Nacken weitestgehend zu sehen ist.

00:02:26: Von dem gesamten Bild geht eine sehr ruhige Wirkung aus Gedeckte Farben harmonische Komposition präzise Malweise.

00:02:36: Dieses Werk lässt einen durchatmen und die Eleganz genießen, aber die Geschichte um dieses Modell war alles andere als ruhig wie ihr gleich hören werdet.

00:02:49: Kurioses aus der Kunstwelt.

00:02:52: Die Frau, die Keller malte, war nicht irgendjemand sondern Nanarisi ein legendäres römisches Modell.

00:03:00: Merkt euch bitte den Namen Der kommt jetzt nämlich noch öfter.

00:03:05: Entdeckt wurde Risi durch den Maler Anselm Feuerbach, dem wir Folge zweiundfünfzig von Kunstneck bereits gewidmet haben.

00:03:13: Ja ich weiß es geht heute um Ferdinand Keller aber wir müssen hier einen kurzen Exkurs zu Anseln Feuerbach machen.

00:03:19: und vertraut mir das lohnt sich!

00:03:22: Denn es geht gleich um ordentlich Gossip und das lieben wir doch bei Kunstnecks.

00:03:28: Also Feuerbach war ein angesehener Maler im neunzehnten Jahrhundert.

00:03:33: In Rom lernte er Nana Rizi bei einem Spaziergang kennen.

00:03:37: Er hat sie also gewissermaßen auf der Straße gescoutet.

00:03:41: Rizi wurde aber nicht nur Feuerbachs Modell, sondern auch seine Haushälterin und Geliebte.

00:03:47: Es ist echt auffällig wie viele Maler damals mit ihren Modellen was hatten – da wurden auch Machtpositionen ordentlich ausgenutzt!

00:03:55: Und Feuerbach hatte echt einen ziemlichen Schatten wenn es um Rizi ging.

00:04:00: Er muss extrem eifersüchtig gewesen sein….

00:04:03: So soll sie ihm versprochen haben, dass niemand außer Feuerbach sie malen dürfte.

00:04:09: Auch zukünftig!

00:04:11: Feuerbach schrieb dazu an seine Mutter über Risi – ich zitiere … Sie zumal.

00:04:34: Wow, völlig absurd!

00:04:37: Aber diese weirte Exklusivitätsvereinbarung hat gar nicht geklappt wie das Bild dieser Folge beweist.

00:04:44: Denn in den letzten Jahren hat Ferdinand Keller Riesi gemalt.

00:04:49: Insgesamt lebte Riesy etwa fünf Jahre mit Feuerbach zusammen und verließ ihn dann.

00:04:55: Und vier Jahre nach dieser Trennung entstand das Werk dieser Folge – Das Bildnis der Nana Riesie.

00:05:03: Und jetzt noch fix zur Beziehung zwischen Anselm Feuerbach und Ferdinand Keller.

00:05:08: Die beiden kannten sich zwar flüchtig aus Karlsruhe, lernten sich aber so richtig in Rom dann kennen.

00:05:14: Für Keller war Feuerbach ein wichtiger Einfluss – aber auch bei ihm schubt Feuerbach sehr komische Filme!

00:05:22: Er soll beispielsweise verlangt haben dass Keller außer ihm keine anderen Kontakte haben soll.

00:05:29: Hier ein entsprechendes Zitat von Keller über Feuerbach.

00:05:33: Ich zitiere, durch die Freundschaft mit Feuerbach war mir versagt.

00:05:37: Mit irgendeinem anderen Künstler zu verkehren, er würde dies nie geduldet

00:05:43: haben.".

00:05:45: Auch da war Feuerbach ziemlich besitzergreifend und gleichzeitig schien Feuerbach nicht so begeistert zu sein dass Keller in das Atelier direkt nebenan zog.

00:05:55: Feuerbach schrieb seiner Mutter, damit ich Karlsruhe ja nicht vergesse hat sich der junge Keller neben mir zum Überfluss eingenistet.

00:06:04: Doch werde ich in allen Dingen eine gute Dosis Indifferenz anschaffen.

00:06:09: Junge, junge!

00:06:10: Das scheint echt hoch hergegangen zu sein.

00:06:13: Aber bevor wir jetzt dauernd von Feuerbach sprechen, schauen wir uns die Biografie von Ferdinand Keller nochmal an.

00:06:22: Wer hat's gemacht?

00:06:24: Künstler im Spotlight.

00:06:28: Ferdinald Keller wird in Karlsruhe geboren.

00:06:32: Fünfzehn Jahre später geht seinen Vater mit der Familie nach Brasilien – er ist nämlich Bauingenieur.

00:06:38: In den Tropen bringt sich Keller selbst das Zeichnen und Aquarillieren bei.

00:06:42: Die Zeichnungen von der brasilianischen Natur sind so gut, dass er nach der Rückkehr damit an der großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe angenommen wird.

00:06:52: Zunächst wird mit sich Keller der Landschaftsmalerei, malt dann aber vor allem Menschen – und zeigt darin eine besondere Meisterschaft!

00:07:01: Das sieht man ja auch auf dem Bildnis der Nana Risi.

00:07:09: Er zeigt sein Gemälde Tod Phillips des Zweiten bei Trommelwirbel der Pariser Weltausstellung.

00:07:19: Hallöchen, das ist echt eine Ansage!

00:07:22: Bei diesem Bild zeigt sich schon eine Spezialität von Keller – Theatralik.

00:07:28: Einige von Kellers Bildern haben so viel Melodramatik wie von Atheater AG die komplett auf die Trenendrüse drückt.

00:07:37: Andere Werke von ihm sind wirkmächtig inszeniert wie auf einer Bühne.

00:07:42: Zum Beispiel das Gemälde mit dem griffigen Titel, Makraflutwick.

00:07:47: Wilhelm von Baden-Baden reitet am Abend der Schlacht von Slam Kamen in das Zelt des sterbenden Mustaphar Kyprili.

00:07:56: Den Titel kann man sich easy merken und auf diesem Bild sieht man sich aufbäumende Pferde kämpfender und tote Soldaten schlachten getümmelt.

00:08:07: Also das ganze Gemälde sieht aus, als hätte man an der spannendsten Szene eines Actionfilms auf Pause gedrückt.

00:08:15: Das über drei mal fünf Meter große Werk befindet sich übrigens auch in der Kunsthalle Karlsruhe.

00:08:22: Ferdinand Keller malt aber nicht nur er geht außerdem in die Lehre.

00:08:37: Aber seine Forderungen waren überzogen und so wurde Keller der Dozent.

00:08:44: Keller war einer der angesagtesten Maler des neunzehn Jahrhunderts, aber später in seinem Leben entsprach er nicht mehr dem Zeitgeist.

00:09:14: Ich find's spannend dass man in der Kunstgeschichte immer wieder beobachten kann wie sich der Geschmack und die Mode ändern – und wie dadurch einige Karrieren verblassen!

00:09:25: Ich mein heutzutage ist Keller gar kein großer Name mehr….

00:09:29: ich kannte ihn vor dieser Podcastfolge zumindest nicht …und das is ja das Tolle dass man in der Kunst abend dauernd Entdeckung machen kann.

00:09:38: Da sind manchmal so richtige Indiana Jones Momente dabei und das Bildnis der Nanarisi ist genauso einer, also Abenteuerhut auf und ab in die Kunstgeschichte!

00:09:49: Ich wünsche euch viel Spaß beim Entdecken in der Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe.

00:09:53: Wir sind hier am Ende und hören uns bald mit der nächsten Folge von KunstSnack.

00:09:57: Bis dann macht's gut, ciao

00:10:04: Kurz Effekt, zu leicht bekömmlich.

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