Stammspieler des Impressionismus: Junimorgen bei Pontoise von Camille Pissarro | #89
Shownotes
In dieser Folge geht es um einen echten Teamplayer: Camille Pissarro. Obwohl er ein wichtiger Vertreter des Impressionismus war, sind seine Werke mit Motiven des ländlichen Alltags nicht so bekannt wie die Bilder mancher seiner Künstlerkolleg*innen. Woran das lag und womit Pissarro noch zu kämpfen hatte, erzählt Kunstcomedian Jakob Schwerdtfeger in dieser Episode von Kunstsnack.
Das Werk in der Onlinesammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe: https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Camille-Pissarro/Junimorgen-bei-Pontoise/08DAD906486576A04F532B904ABDFE41/
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Ein Podcast der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
Text: Jakob Schwerdtfeger
Redaktion: Lara Di Carlo, Tabea Schwarze, Leonie Stieber
Idee: Daniela Sistermanns, Sarah Ball, Tabea Schwarze
Beratung: Thomas Frank
Ton und Schnitt: Lara Di Carlo
Sounddesign und Musik: Milan Fey, Auf die Ohren GmbH
Sprecher Intro und Outro: Martin Petermann, Auf die Ohren GmbH
Sprecherin der Rubriken: Lena Günther, Auf die Ohren GmbH
Foto: Bruno Kelzer | kelzer.de
Gestaltung: Pia Schmeckthal, Auf die Ohren GmbH
Transkript anzeigen
00:00:00: Der Künstler dieser Folge wurde auch als Vater der Impressionisten bezeichnet.
00:00:05: Und trotzdem kennen ihn nicht viele, Camille Pissaro!
00:00:10: Aber dafür ist Kunstnegg ja da um euch die Geheimtipps vorzustellen und um euer Wissen zu erweitern – und ja auch andere wurden als Väter des Impressionismus bezeichnete.
00:00:22: also diese Kunstströmung hatte wirklich mehrere Fäter aber nur wenige mussten so Struggeln wenn es um die Kunst ging wie Pissaro.
00:00:30: Seine finanzielle Lage war schwierig, einmal rettete ihn ein Freund knapp vor einer Zwangsversteigerung und seine Familie konnte er von der Kunst mehr schlecht als recht ernähren.
00:00:42: sie lebten größteils am Existenzminimum.
00:00:45: Pissarroh war also ein heimlicher Held und Hassler der Kunstgeschichte.
00:00:52: Im Gegensatz zu seinem finanziellen Stress steht das Gemälde der heutigen Folge.
00:00:57: Das ist sehr entspannt und harmonisch, quasi ein Beruhigungstee in Bildform.
00:01:04: Das Werk trägt den Titel Juni-Morben bei Pontoise aus dem Jahr eighteenhundertdreiundsiebzig Und das Gemälde befindet sich in der staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
00:01:14: Dort ist es ein absolutes Highlight der Sammlung!
00:01:18: Pissarro war sowas wie die gute Seele des Impressionismus.
00:01:23: Er war für diese Kunstrichtungen essenziell.
00:01:27: Schauen wir uns jetzt mal näher an.
00:01:28: In diesem Sinne, let's go!
00:01:34: Der Kunst-Snack
00:01:36: Kurze Facts leicht bekömmlich Von der staatlichen Kunsthalle Karlsruhe Mit dem Comedian und Kunsthistoriker Jakob Schwertweger.
00:01:48: Schaut euch das Bild dieser Folge gerne in Ruhe an.
00:01:50: In den Show Notes ist ein Link zur Abbildung.
00:01:53: Und jetzt kommt wie immer eine kurze Bildbeschreibung.
00:01:57: Was gibt es hier zu sehen?
00:01:59: Bildliche Beschreibungen.
00:02:03: Kurz zur Erinnerung, das Bild dieser Folge trägt ja den Titel Juni-Morgen bei Pontoise.
00:02:08: Und Pontoises ist eine kleine Stadt in Frankreich nordwestlich von Paris und genau so einen idyllischen französischen Sommermorgen bietet uns dieses Bild.
00:02:19: Es ist wie ein kleiner Kurzurlaub.
00:02:22: Wir sehen eine hügelige Landschaft.
00:02:24: In der Mitte ist ein Weg mit ein paar Menschen und Vieh Drum herum sind Felder und Wiesen Mit ein paar gelben Blüten Und zwischendrin sind sogar ein paar rote Mondblüten.
00:02:34: Außerdem gibt es auf dem Bild noch ein paar Gebäude und Bäume, der Himmel ist hell mit ein paar fluffigen Wolken!
00:02:41: Hier ist die Welt gefühlt in Ordnung, entschleunigt und entspannt – einen Ort an den man fahren würde um kein Internet zu haben.
00:02:51: Hier wird das einfache Landleben gemalt ganz unaufgeregt.
00:02:56: Insgesamt wirkt das Bild warm, frisch und luftig.
00:03:00: leicht.
00:03:01: Das kommt durch die Malweise zustande, denn die ist richtig locker.
00:03:06: Das Bild ist nicht gestochen scharf – man kann die einzelnen Pinseltopfer noch gut erkennen!
00:03:11: Es wirkt wie schnell hingeworfen, mühelos und fix aus dem Handgelenk.
00:03:17: Diese Malweise ist typisch für den Impressionismus… Und um den geht's jetzt!
00:03:24: Der Epochen-Check.
00:03:26: Pissarroh ist ein Vertreter des Impressionismus sowie Renoir oder Monet oder die Künstlerin Bert Morissot und Mary Cassett.
00:03:35: Der Impressionismus entstand in den Eighthundertsechziger Jahren, und dauerte bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein.
00:03:42: Worum ging's?
00:03:43: Man wollte Atmosphäre und flüchtige Momente einfangen anstatt aufwendig erzählte Geschichten darzustellen!
00:03:50: Das war damals durchaus radikal... der Impressionismus war getrieben von der Frage Wie malt man
00:03:58: Licht?!
00:03:59: Wir alle wissen eigentlich mit einer lächelnden Sonne oben in der Bildecke.
00:04:04: Aber, der Impressionismus wollte es noch exakter einfangen!
00:04:08: Also wählte man eine Striche-Liege-Mahlweise.
00:04:11: So wurde das flirrende Sonnenlichts festgehalten – jetzt kennt ihr ja, dass irgendwie wenn so richtig hell ist dann flimmert es halt so richtig.
00:04:19: und genau das hat der Impessionismus eingefangen.
00:04:22: deshalb sind die impressionistischen Bilder auch oft sehr hell und farbenfroh.
00:04:27: Die Kunstschaffenden wollten Lichtstimmung optimal studieren und malten deshalb viel draußen.
00:04:32: Dieses Vorgehen war noch ziemlich neu, denn lange fertigte man zwar Studien in der Natur an, malte die eigentlichen Gemälde im größeren Format dann aber am Atelier.
00:04:43: Der Impressionismus war so ein bisschen wie meine Mutter, die früher ständig in mein Zimmer kam und meinte, geht mal an die frische Luft!
00:04:51: Das Werk der heutigen Folge Juni Morgen bei Prontoise malt Pissaro Auch draußen.
00:04:57: Er wollte einen flüchtigen Moment auf die Leinwand bannen und musste deshalb schnell arbeiten.
00:05:03: Perfektes Licht, perfekte Wolken – das alles kann halt auch schnell wieder vorbei sein!
00:05:08: Das Bild bietet keine Geschichte sondern eine Stimmung.
00:05:12: Und damit widersprach es ziemlich den verbreiteten Erwartungen an die Kunst.
00:05:19: Pissaros Landschaftsbild entstand aus dem Jahr von der ersten Impressionismus-Ausstellung.
00:05:26: Hier zeigte Pissarro auch das Bild dieser Folge.
00:05:30: Diese neu gegründete impressionistische Künstlervereinigung entstand aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit vom Pariser Salon, der im neunzehnten Jahrhundert als wichtigste Institution des französischen Kunstbetriebs galt.
00:05:43: Auf den Salon gehe ich später noch mal näher ein – aber jetzt erstmal zum Impressionismus!
00:05:48: Die erste impressionistischem Ausstellung fand achtzehnhundertvierundsiebzig im ehemaligen Studio des Fotografen Nadarstadt.
00:05:57: Und das war kein Zufall, denn der Austausch zwischen Fotografie und Impressionismus war eng!
00:06:04: Die Aufgabe die Welt möglichst detailgenau wiederzugeben übernahm seit den Achtzehnhundertvierziger Jahren die Fotografies.
00:06:12: Das bot der Malerei die Freiheit neue Wege zu gehen – die Kunstschaffenden betonten den eigenen Pinselstrich als würden sie sagen wollen «Guck mal, das hier ist gemalt».
00:06:25: Zugleich ließen sie sich von der Fotografie inspirieren.
00:06:28: Angeschnittene Motive, unkonventionelle Blickwinke, beiläufige schnappschussartige Momente – all das tauchte nun auch in Gemilden auf.
00:06:38: Außerdem wirkten viele impressionistische Gemilde unscharf und das Publikum war es nicht gewohnt!
00:06:44: Für Sie muss diese neuartige Malerei gewirkt haben als sie die jemand vergessen seine Brille aufzusetzen.
00:06:51: Generell gab's viel Kritik an der ersten Impressionismus-Ausstellung.
00:06:55: Über ein Werk von Monie schrieb der Kunstkritiker Louis Leroy einen satirischen Artikel und ließ eine fiktive Figur sagen, Eine Tapete im Embryonal Stadium ist weitergedient als dieses Seestück.
00:07:12: Wow!
00:07:12: Monies Werk trug den Titel Impression Sonnenaufgang und wurde damit namensgebend für den Impressionismus – auch wenn es den Begriff vereinzelt schon vorher gab.
00:07:24: Auf jeden Fall wird deutlich, der Impressionismus war etwas Neues und Rebellisches.
00:07:31: Und Pizarro war eine Schlüsselfigur – wie ihr gleich merken werdet!
00:07:39: Pizarrow spielte für den Impressionismus eine zentrale Rolle.
00:07:43: Er war gewissermaßen der Stammspieler dieser Kunstströmung denn er war der einzige Künstler, der an allen acht Impressionistenaustellungen teilnahm.
00:07:53: Ihr kennt alle diese eine Person aus eurem Umfeld, die ein Freundeskreis zusammenhält.
00:07:59: Die vieles organisiert und einfach die Felden in der Hand hat!
00:08:03: Das war Pissarroh für den Impressionismus.
00:08:06: Er führte die kunstschaffenden maßgeblich zusammen so dass gemeinsame Impressionismusausstellungen entstehen konnten.
00:08:13: Er überredete, Networkte vermittelte.
00:08:17: Später organisierte Pissaro sogar impressionistische Abendessen auch wenn er selbst gar nicht immer dabei sein konnte.
00:08:25: Pissarro beriet außerdem junge Künstlerinnen und Künstlern, er war so eine Art Mentor – und unterstützte die aber auch finanzieren!
00:08:33: Aber obwohl Pissaro so ein unermüdlicher Motivator war, blieb seinen eigenen Erfolg überschaubar?
00:08:42: Das hatte unter anderem damit zu tun dass er das Leben der einfachen Bevölkerung malt den ländlichen Alltag.
00:08:49: Viele impressionistische Bilder zeigten hingegen Das Leben der Appa-Klaas.
00:08:54: Und die kaufte nun mal Kunst!
00:08:57: Da wurde sich halt lieber ein Bild von einem geselligen Umtrunk gekauft, als vom Acker.
00:09:02: Lieber Landsch... Als Landschaft.
00:09:04: Lieba bourgeoisie als Bauern.
00:09:07: Pissarro ging hier gegen den Trend.
00:09:09: Er misstraute dem kapitalistischen Kunstmarkt.
00:09:12: Seine Motive waren schwerverkäuflich und erzielten niedrigere Preise.
00:09:18: Mittlerweile hat sich das geändert.
00:09:20: Pissarro ist längst im hochpreisigen Segment angelangt.
00:09:24: Sein Auktionsrekord beträgt stattliche ... Aber zum Beispiel Moni liegt mit ... Weiterhin deutlich drüber!
00:09:37: Okay, jetzt hab ich viel über Pissaro gesprochen.
00:09:40: Dann werfen wir mal einen kurzen Blick auf sein bewegtes Leben.
00:09:51: Camille Pissarot war ein französischer Künstler, wurde aber in der Karibik-Insel Saint Thomas geboren.
00:09:59: Er stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und erlebte daher immer wieder antisemitische Anfeindungen.
00:10:06: Als junger Mann zog Pissaro nach Paris und widmete sich der Landschaftsmalerei.
00:10:12: Er bewahrt sich vielfach für den Pariser Salon – den hatte ich ja vorhin schon erwähnt, jetzt gehe ich mal bisschen näher drauf ein!
00:10:19: Denn im neunzehnten Jahrhundert führte an dieser Institution kaum ein Weg vorbei.
00:10:26: Der Salon war eine regelmäßig stattfindende, staatlich organisierte Ausstellung.
00:10:31: Hier wurden Umsätze generiert und erfolgreiche Karrieren besiegelt.
00:10:36: Um die besten Plätze im Salon gab es regelmäßig Streitereien.
00:10:40: selbst zu Bestechung soll es gekommen sein.
00:10:43: Am Salon konnte man nicht einfach so teilnehmen.
00:10:46: Es gab eine Jury ähnlich wie bei Deutschland sucht den Superstar die die Einreichung zuließ oder abschmetterte.
00:10:54: Und die Salon-Jury war auch ähnlich streng unterwegs wie Dieter Bohl.
00:10:58: Pissarot wurde vor allem anfangs vom Salon oft abgelehnt, später dann aber immer wieder angenommen.
00:11:05: Seine Karriere wurde von diesem Wechsel zwischen Ablehnung und Annahme wesentlich geprägt – ein Auf und Ab!
00:11:13: Während des deutsch-französischen Kriegs floh Pissaro nach England.
00:11:17: Nach der Rückkehr war sein Haus geplündert.
00:11:20: Zahlreiche Werke waren zerstört.
00:11:23: Anschließend zog Pissarro mit seiner Familie nach Pontoise, wo ja das Bild dieser Folgen stand.
00:11:30: Er lebte hier in Pontoisse für zehn Jahre und der Ort hatte einen großen Einfluss auf sein Schaffen.
00:11:37: In den letzten Jahren starrt Pissaro dann in Paris.
00:11:41: Der berühmte Künstler Paul Cézanne sagte über ihn – ich zitiere ….
00:11:46: Er war ein Mensch, den man um Rat fragen konnte und so etwas wie der Liebe Gott.
00:11:55: Und mit diesen netten Worten beenden wir diese Folge von Kunstsnack.
00:12:00: Danke euch fürs Zuhören!
00:12:02: Ich hoffe ihr hattet Spaß und konntet ein bisschen was mitnehmen.
00:12:05: Wir hören uns dann bald – Mit der nächsten Folge.
00:12:07: macht's gut, ciao
00:12:21: Abonniert unseren Podcast und folgt uns bei Instagram.
00:12:24: Habt ihr Themenwünsche?
00:12:25: Schreibt uns via Direct Message oder per Mail an digitaletkunstfallerminuskalzgur.de.
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