König der Küste: Felsküste bei Étretat von Johann Wilhelm Schirmer | #87
Shownotes
Vom verschlafenen Fischerdorf zum Touristenmagneten: Der Künstler dieser Folge ist ein echter Trendsetter. Johann Wilhelm Schirmer und andere Künstler seiner Zeit malten immer wieder die unverkennbaren Felsformationen an der Küste von Étretat in der Normandie. Durch ihre Bilder wurde der Ort zu einem beliebten Reiseziel. Warum Schirmer als „Vater einer ganzen Generation” bezeichnet wurde und wie er die Landschaftsmalerei pushte, erklärt Kunstcomedian Jakob Schwerdfeger in dieser Folge von "Kunstsnack".
Das Werk in der Onlinesammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe: https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Johann-Wilhelm-Schirmer/Felsk%C3%BCste-bei-Etretat/FD5FEDBA48C776F096EE9EABC1441010/
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Ein Podcast der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
Text: Jakob Schwerdtfeger
Redaktion: Lara Di Carlo, Tabea Schwarze, Leonie Stieber
Idee: Daniela Sistermanns, Sarah Ball, Tabea Schwarze
Beratung: Thomas Frank
Ton und Schnitt: Lara Di Carlo
Sounddesign und Musik: Milan Fey, Auf die Ohren GmbH
Sprecher Intro und Outro: Martin Petermann, Auf die Ohren GmbH
Sprecherin der Rubriken: Lena Günther, Auf die Ohren GmbH
Foto: Bruno Kelzer | kelzer.de
Gestaltung: Pia Schmeckthal, Auf die Ohren GmbH
Transkript anzeigen
00:00:00: Vor kurzem war ich in der Ausstellung Monets Küste im Städelmuseum in Frankfurt.
00:00:04: Und an einem Bild bin ich direkt hängen geblieben, darauf waren Felsen einer Küste mega gut gemalt und mich interessiert in Ausstellungen immer woher sind die Werke geliehen.
00:00:16: also habe ich natürlich sofort auf dieses kleine Schild daneben geguckt und in dem Fall wars tadaa!
00:00:22: Die staatliche Kunsthalle Karlsruhe.
00:00:24: Und kein Witz, ein paar Tage später schrieb mir dann das Team der Kunsthalle Karlsruhe, dass sie zufällig genau das Bild für diese Folge ausgewählt hatten.
00:00:33: Also hier kommt wirklich alles zusammen herrlich!
00:00:37: Wir haben es heute mit dem Endlevel der Landschaftsmalerei zu tun – mit der Creme de la Creme der Kunst.
00:00:44: Das Werk trägt den Titel Felsküste bei Ithritar und stammt von dem deutschen Maler Johann Wilhelm Schirmer.
00:00:51: Gemalt wurde Also vor knapp zweihundert Jahren.
00:00:57: Und jetzt schauen wir uns das Bild mal näher an, let's go!
00:01:16: Ich empfehle euch stark, guckt euch das Bild dieser Folge mal selbst an vertraut mir Das lohnt sich, weil das wirklich fantastisch gemalt ist.
00:01:25: In den Show-Notes findet ihr einen Link zur Abbildung – aber natürlich gibt's wie immer jetzt eine kurze Bildbeschreibung!
00:01:40: Eine Steilküste am Meer.
00:01:43: Hier könnte man die Bildbescheidung beenden und genau das was wir auf dem Bild sehen.
00:01:47: Aber hier ist nicht irgendeine Steilköste sondern eine ikonische.
00:01:52: Und daran hat der Malerschirma ein Anteil.
00:01:56: Es ist die Küste bei dem französischen Ort Itritat in der Normandie.
00:02:00: Wir sehen auf dem Bild hauptsächlich steilaufragende Felsen, und zwar bis über den oberen Bildrand hinaus.
00:02:07: Man kann die Streifen der verschiedenen See-die-Menschichten gut erkennen.
00:02:11: Im Vordergrund ist ein Überhängen der Fels – also insgesamt wirkt dieses Szenerie eigentlich wie so ein Paradies zum Bouldern!
00:02:18: Rechts im Bild ist dann noch ein bisschen Strand und Meer zu sehen, es ist ziemlich wellig und der Himmel darüber sieht stark nach Regen aus.
00:02:26: Es ist also kein typischer Strandtag hier dargestellt, sondern eher so ein typischer Tag um in der Unterkunft zu bleiben und zu kniffeln.
00:02:35: Was dieses Felsbild so besonders macht, ist die Qualität der Malerei – alles ist gestochen scharf gemalt!
00:02:44: Außerdem ist die Komposition ungewöhnlich denn mehr als die Hälfte des Bildes wird von dieser riesigen Felsformation bestimmt.
00:02:52: Der Betrachter-Standpunkt ist recht niedrig gewählt, sodass uns die Klippen überragen und dadurch besonders beeindruckend wird.
00:03:01: Gemälde wie dieses machten Schirmer zu einem der wichtigsten Landschaftsmaler in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts.
00:03:09: Er war gewissermaßen der King der Küstenkunst, der Lord of the Landschaft – und die Kunsthalle Karlsruhe hat Dutzende seiner Werke in der
00:03:19: Sammlung.".
00:03:21: Wie wurde das Werk beeinflusst?
00:03:23: Interessante Inspirationen.
00:03:26: Die Küste bei Ithritar ist heute sehr bekannt, weil sie unter anderem viel von Monet gemalt wurde.
00:03:33: An den Klippen gibt es eine Art Felsentor, das ihr möglicherweise sogar schon mal gesehen habt.
00:03:39: Es gibt echt super viele Abbildungen davon und diese Küste die hat schon enormen Widerkennungswert.
00:03:46: Aber als Schirma hier gemalt hat, da war Itritar noch ein verschlafenes Fischerdörfchen.
00:03:54: Die See war rough und die Klippen waren steil, also kein klassischer Badeort.
00:03:59: Aber Maler-Inn entdeckten diese Küste Ende des achzehnten Anfang des neunzehn Jahrhunderts für sich weil dort eben spannende Motive zu finden waren.
00:04:10: Und tatsächlich machten die Malerei und die Literatur Etretà immer berühmter so dass immer mehr Tourismus entstand.
00:04:19: Also im Prinzip funktionierte das wie heutzutage bei Influencerinnen Nur war das halt früher die Kunst, die diesen Einfluss ausgeübt hat.
00:04:28: Also egal ob im neunzehnten Jahrhundert oder heute Orte werden überrannt weil die Bilder verlockend sind.
00:04:35: Ithritar beeinflusste Schirme also stark.
00:04:38: Immer wieder malte er hier auch Ausschnitte und zwar nur vom Meer – und damit befeuerte er weiterhin den Ruhm von Ithridhar.
00:04:47: Man kann also sagen seine Mehrbilder schlugen wählen… Im wahrsten Sinne!
00:04:56: Ich hatte ja schon die ungewöhnliche Komposition des Bildes Felsküste bei Ithritar angesprochen.
00:05:02: Und wie nah uns Schirma hier an die Felsen ran holt und uns mitten in die Szenerie katapultiert, das ist schon echt besonders!
00:05:10: Die Felse ragen über das Bild hinaus – sie sind das Hauptmotiv.
00:05:15: Das Meer spielt nur eine Nebenrolle.
00:05:18: Dass die Felsen so angeschnitten werden lässt das Gemälde fast wie ein Foto wirken.
00:05:26: Das Bild ist allerdings von eighteenhundertsechsunddreißig, zwar gab es schon achtzehnhundert sechsundzwanzig also zehn Jahre vorher dass erste foto das dauerhaft festgehalten werden konnte.
00:05:36: Allerdings blieb die Erfindung der Fotografie zunächst unter dem Radar.
00:05:41: Schirma dürfte davon nichts mit gekriegt haben.
00:05:44: aber kurz zu den ersten foto der welt das ich gerade eben erwähnt habe.
00:05:47: das ist nämlich wirklich unspektakulär!
00:05:50: Also das zeigt einfach nur den Blick auf einen Hof.
00:05:54: Damals, in der Zeit war die Fotografie noch eine sehr gemächtliche Angelegenheit.
00:06:01: Die Belichtungszeit dauerte damals entspannte acht Stunden!
00:06:07: In dieser Zeit hätte man diesen Schnappschuss auch einfach hinpinseln können.
00:06:11: Einer breiten Öffentlichkeit wurde die Fotographie schließlich im Jahr und zwar mit der Daggerotypie, die Louis Daguer bescheidenerweise nach sich selbst benannte.
00:06:23: Dagers Verfahren ermöglichte enorm detailgenaue Bilder.
00:06:27: Dank weiterer Entwicklung konnten Fotos bald schon vervielfältigt werden und die Belichtungszeiten verkürzten sich drastisch.
00:06:35: Mitte des neunzehn Jahrhunderts gewann die Fotografie dann immer mehr an Bedeutung.
00:06:41: Und hier noch ein kleiner Fun Fact Von besagtem Daguer stammt ein legendäres Foto aus dem Jahr eighteenhundertdreißig.
00:06:48: Er hatte einen Boulevard sieben bis fünfzehn Minuten lang belichtet, sodass keine Personen zu sehen waren.
00:06:54: Nur ein Schuhputzer blieb die ganze Zeit über an seinem Platz sitzen und wurde dadurch zufällig der erste Mensch auf einem Foto.
00:07:04: Aber von der Fotografie jetzt zurück zur Malerei und Schirmer!
00:07:08: Denn dieser Künstler prägte einen Stil maßgeblich mit Wie ihr gleich erfahren werdet.
00:07:17: Schirmer war ein Vertreter der sogenannten Düsseldorfer-Malerschule, das war keine Epoche oder Gruppe sondern eher eine Art Marke oder lose Verbindung.
00:07:27: Zu DüsselDorfer Malerschule zählt nämlich alle die irgendwie im Umfeld der Kunstakademie Düsseldov standen also alle die da ausgebildet wurden die da lehrten oder irgendwie in Beziehung zur Akademie standen.
00:07:41: daher auch der Name Düsseldorfer Malerschule.
00:07:45: Wir spielen mal kurz ein Spiel.
00:07:47: Was schätzt ihr, wie viele Künstlerinnen zu DüsselDorfer-Malerschule zählten?
00:07:51: Überlegt mal kurz... Wie viele sind das?
00:07:55: Hier die Antwort!
00:07:56: Über viertausend!
00:07:58: Huyi Die Düssel dörfer-malerschule dauerte nämlich ungefähr von eighteenhundertneinzehn bis neunzehntundachzehn also hundert Jahre.
00:08:08: Natürlich sind es super viele Menschen und es gab deshalb auch keinen einheitlichen Stil.
00:08:14: Aber die Landschaftsbilder der Düsseldorfer Malerschule aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zeichnen sich durch eine sehr präzise Malerei aus, vor allem die Lichtsetzung ist oft super fein und alle Details sind sehr exakt gemalt wie eben auf dem Bild dieser Folge.
00:08:35: Schirmer hatte großen Einfluss auf die Landschaftsmalerei der Düsseldorfer Mahlerschule.
00:08:40: Ab mit dem Schulter war er Hilfslehrer für Landschaftsmalerei an der Düsseldorfer Akademie und wurde später dort auch Professor.
00:08:48: Seine Klasse war die größte der Akadémie über hundertfünfzig Schüler innen!
00:08:54: Das machte Schirma also zu einem Trendsetter- und Tastemaker, denn sein Stil prägte die Düsseldofer Mahlerschule.
00:09:02: aber Wer genau war Schirmer eigentlich?
00:09:06: Gehen wir mal fix in seine Biografie rein.
00:09:10: Wer hat's gemacht?
00:09:12: Künstler im Spotlight.
00:09:18: In Jülich geboren.
00:09:19: Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und macht zunächst eine Buchbinderlehre bei seinem Vater, der auch Buchbindler war.
00:09:27: Danach studiert Schirma an der Kunstakademie in Düsseldorf.
00:09:31: Das Studium finanziert er mit der Buchbünderei.
00:09:34: Später kam dann Schirmas Lehrtätigkeit an der Akademie, von der hatte ich euch ja eben gerade erzählt.
00:09:40: Sein Talent wird früh erkannt!
00:09:42: Er wird von der Kunstkritik bezeichnet als – ich zitiere – Vater dieser ganzen Generationen.
00:09:49: Schirma reist viel durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich und die Schweiz, später auch Italien.
00:09:56: Überall malt er Landschaften und hält seine Eindrücke fest.
00:10:01: Und zwar unter freiem Himmel in der Natur.
00:10:04: Das ist damals noch nicht Standard, aber Schirma arbeitet viel mit Ölsgitzen direkt vor seinen Motiven und nicht von Anfang an nur im Atelier.
00:10:14: Wir müssen uns außerdem klarmachen zu dieser Zeit also in der ersten Hälfte des neunzehn Jahrhunderts da hatte die Landschaftsmalerei kein allzu hohen Stellenwert in der Akademie Aber Schirmar pushte dieses Syzé mit seinem Schaffen.
00:10:29: Sein Erfolg hält an.
00:10:30: Schirmer bekommt einige Auszeichnungen und wird, aus dem Jahr eighteenhundertfünfzig zum Professor der neu gegründeten Kunstschule in Karlsruhe ernannt.
00:10:40: Wenige Monate später wird er auch der Gründungstirektor.
00:10:44: In Karlsluhe erhält Schirma dann unter anderem das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen – und wird Vorstandsmitglied des Neugegründenden Kunstvereins von Karls Ruhe.
00:10:59: In dieser Stadt.
00:11:01: Ihr seht, Schirma hatte also einen engen Bezug zu Karlsruhe – umso schöner dass heute so viele Werke von ihm in der Kunsthalle Karlsrohe sind.
00:11:11: Darunter eben auch seine phänomenale Felsküste bei Etritha!
00:11:17: Damit sind wir am Ende dieser Folge angelangt.
00:11:20: Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von
00:11:28: Kunstsnack.
00:11:31: Mit Jakob Schwertveger.
00:11:33: Eine Produktion der staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
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